Ansprache zur Konfirmation am 3.4.2011

 

Liebe Konfirmanden, liebe Fest-Gemeinde!

 

Es war einmal,

da bewarben sich viele junge Leute darum,

Superstars zu werden.

Es war zu einer Zeit,

in der große Fernseh-Shows gemacht wurden

mit den dazu gehörenden „Castings“.

Deutschland suche den Superstar,

hieß es da zum Beispiel.

Einmal im Jahr lief diese Sendung

schon seit etlichen Jahren,

in mehreren Folgen, immer zum Frühjahr hin.

Die jungen Bewerberinnen und Bewerber

brachten ihre Stimmen mit,

die Lieder, die sie im Kopf hatten,

und ihren Traum von Scheinwerferlicht

und von vielen, vielen Menschen,

die ihnen zujubeln würden, ihnen allein.

Zehn von ihnen wurden ausgewählt.

Woche für Woche durften sie

in einer Live-Show auftreten.

Woche für Woche beurteilte

eine drei-köpfige Jury ihr Aussehen,

ihr Auftreten, ihren Gesang.

Und ein großes unsichtbares Publikum entschied,

wer bleiben durfte und wer rausfiel.

Zwischen ihren Auftritten

gaben sie viele Interviews über ihre Eindrücke,

über ihren Alltag und wie sie sich fühlten,

kleine Gefühle und große Gefühle –

von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt...

 

Zur selben Zeit bereiteten sich

in einer inzwischen relativ kleinen Gemeinde

in Deutschland – nein, nicht zehn,

sondern nur noch eine Auswahl von vier –

junge Leute auf ihre Konfirmation vor.

 

Schön singen konnten auch sie

und auch sie hatten ihre Träume.

Auch für sie drehte sich viel

um ihr Aussehen und ihr Auftreten.

 

Doch wer hatte sie ausgewählt?

Wer durfte sie beurteilen?

 

Wer setzte die Maßstäbe?

 

Und mit wem konnten sie reden

über ihre kleinen und großen Gefühle?

 

Ausgewählt, ja ausgewählt

waren sie eigentlich schon lange.

Ausgewählt von ihren Eltern,

als diese sich vor vielen Jahren

ein Kind wünschten

oder auch ganz überraschend erfuhren,

dass sie ein Kind bekommen sollten.

Als sie es dann voll Freude auf dieser Welt,

in diesem Leben in Empfang nahmen

und ihre ganze Liebe

und all ihre Möglichkeiten einsetzten,

dass dieses ihr Kind geborgen und glücklich

aufwachsen konnte.

 

Ausgewählt...

Eigentlich war es zuallererst

noch ein anderer, der sie ausgewählt hatte.

Der es schon lange in seinem Herzen beschlossen hatte,

dass gerade dieses Kind

zu gerade dieser Zeit

auf die Erde geschickt werden sollte

und zwar gerade zu diesen Eltern

und vielleicht auch Geschwistern.

 

Nun aber kommen wir zum nächsten.

Wer durfte sie beurteilen, diese vier?

Und was waren dafür die Vorgaben?

 

Von klein auf lernten sie viel.

Die Eltern haben dabei ihre Maßstäbe gesetzt.

Später kamen die Lehrer hinzu

und es gab Beurteilungen in Zeugnissen, Noten.

Andere haben sich auch ein Urteil gebildet

über sie – oder Vorurteile.

 

Jetzt aber waren sie in einem Alter,

das war eine spannende, oft auch kritische Zeit.

Die Maßstäbe der Eltern,

die Beurteilungen der Lehrer –

die wurden nicht mehr einfach

selbstverständlich hingenommen.

 

Die eigene Meinung galt es zu behaupten,

die eigene kritische Beurteilung der Dinge

und anderer Menschen

kundzutun.

 

Es galt, sein Äußeres so zu stylen,

dass man cool ankam –

und möglichst niemand sah,

wie es innen in einem drin aussah...

 

Man wurde langsam aber sicher erwachsen.

 

Gerade zur selben Zeit versuchte ihnen

ihre Pfarrerin ein uraltes Gebet

nahe zu bringen:

 

Herr, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es.

Du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du Herr, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar

und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Erforsche mich, Gott,

und erkenne mein Herz.

Prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin

und leite mich auf ewigem Wege.

(Psalm 139) 

 

Sie erfuhren, dass Gott

nicht so sehr auf das Äußere achtete,

dafür aber in ihr Herz hineinsah.

Und dass er ihnen mit seinen Worten

und mit dem, was Jesus vorgelebt hat

und für uns getan hat,

die nötige Ausrüstung mitgab

für ihren Weg,

vor allem auch für alle kritischen Situationen,

für alle Stürme und Prüfungen.

 

Dafür waren auch die Lerntexte gedacht,

die sie sich im Konfirmandenunterricht ´

einprägen sollten,

um sie auch im späteren Leben

in entsprechenden Situationen parat zu haben.

 

Ebenso passte die Losung

ihres Konfirmationsjahres dazu,

zu dieser Ausrüstung,

wie ein schützender Mantel,

den sie umlegen konnten:

 

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

(Römer 12,21)

 

Ein gutes Wort für ein gutes Selbstbewusstsein.

 

Bleibt die letzte Frage:

Mit wem konnten die vier jungen Leute reden

über ihre kleinen und großen Gefühle,

über ihre Freuden und Ängste,

gar über kritische Erlebnisse?

Mit wem konnten sie wirklich reden,

nicht nur über das,

was eben Tagesgespräch war in der Schule

oder daheim oder beim Sport...

 

Manchmal gelang es mit den Eltern,

manchmal mit einer guten Freundin

oder einem guten Freund.

Manchmal aber blieben sie allein mit dem,

was sie bewegte.

Und die Sehnsucht war groß:

 

Ich möcht, dass einer mit mir geht,

der’s Leben kennt, der mich versteht,

der mich zu allen Zeiten kann geleiten.

Ich möcht, dass einer mit mir geht.

Ich wart, dass einer mit mir geht,

der auch im Schweren zu mir steht,

der in den dunklen Stunden mir verbunden.

Ich wart, dass einer mit mir geht.

(EG 209)

 

Heute feiern diese vier Jugendlichen ihre Konfirmation –

feiert Ihr Eure Konfirmation,

Thelma, Alexander, Kira und Elena.

 

Superstars seid ihr keine

– und doch ist jede und jeder von Euch

auf ganz eigene Weise super und einzigartig.

 

„Du bist du, wirst nie ein andrer sein,

dies ist deine Zeit, dies ist dein Leben...“

 

Jede und jeder von Euch

ist auf ganz eigene Weise ein „Star“, ein Stern,

der direkt aus Gottes Herzen

in diese Welt hineingeschickt worden ist,

um sie ein wenig heller zu machen.

Denn Dunkelheit gibt es wahrlich genug

in diesem Leben und in dieser Welt.

 

Da braucht es viele menschliche „Sterne“,

viele Licht-Boten,

die ihre Kraft und ihr Leuchten nehmen

von dem einen, der gesagt hat:

Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt,

der wird nicht wandeln in der Finsternis,

sondern wird das Licht des Lebens haben.

Amen.

 

 

(Pfarrerin Susanne Jutz)